Formen der Epilepsie

Welche verschiedenen Formen der Epilepsie gibt es?

Ausgehend von der Ursache unterscheidet man zwischen idiopathischen (ohne erkennbaren Grund, es liegt meist eine genetische Veranlagung vor und ist an ein bestimmtes Alter gebunden), den symptomatischen (die Anfälle sind die Folge einer Gehirnschädigung) und den kryptogenen Epilepsien (man vermutet eine symptomatische Ursache, die genaue Ursache ist jedoch nicht bekannt).

In Tabelle 1 (Lokalisationsbezogene (partielle) Epilepsien und Epilepsiesyndrome) finden Sie einige wichtige Formen mit der zuvor beschriebenen Einteilung.

Nicht jeder Anfall muss Anzeichen einer Epilepsie sein

Es gibt eine Reihe von Anfällen, bei denen es sich nicht um eine Epilepsie handelt.

Andere nicht-epileptische Anfälle können durch eine Narkolepsie (zwanghaftes Schlafbedürfnis), das Tourette-Syndrom (neurologischpsychiatrische Erkrankung mit Tics z.B. unwillkürliche, rasche, meistens plötzlich einschießende und sehr heftige Bewegungen, benannt nach Erstbeschreiber Gilles de la Tourette), Herzrhythmusstörungen und andere körperliche Erkrankungen mit anfallsartigen Symptomen hervorgerufen werden.

Da die Symptome dieser Erkrankungen epileptischen Anfällen sehr ähnlich sind, werden sie oft fälschlicherweise für eine Epilepsie gehalten.

Siehe auch Anfallsarten ohne Vorliegen einer Epilepsie (Tabelle 1, Abschnitt 4).

Tabelle 1: 1. Lokalisationsbezogene (partielle) Epilepsien und Epilepsiesyndrome

1.1 Idiopathisch (mit altersgebundenem Beginn)
Rolando- oder Rolandi-Epilepsie

(Gutartige Epilepsie des Kindesalters mit zentrotemporalen Spitzen)
Häufigste Anfallsart im Kindesalter; beginnt zwischen dem zweiten und zwölften Lebensjahr (Erkrankungsgipfel zwischen dem fünften und neunten Lebensjahr); tonische Verkrampfung der Gesichtsmuskeln, vermehrter Speichelfluss, Sprachstörung (besteht auch nach Abklingen der Verkrampfung noch für einige Minuten fort); im EEG (Elektroenzephalogramm) zeigen sich Veränderungen in Form von zentrotemporalen Spitzen). Diese Form der Epilepsie heilt mit Abschluss der Pubertät aus.
Primäre Leseepilepsie Anfälle werden durch -besonders lautes- Lesen ausgelöst; es kommt zur Verkrampfung der Kaumuskulatur, manchmal auch der Arme; Behandlungsmöglichkeiten: Vermeidung des Reizes, evtl. auch medikamentöse Therapie
Epilepsie des Kindesalters
mit occipitalen Paroxysmen
Anfälle mit visuellen, motorischen oder psychomotorischen Symptomen; Anfälle verschwinden meist im Erwachsenenalter
1.2. Symptomatisch
Rasmussen-Enzephalitis

(chronische progrediente Epilepsia partialis continua des Kinderalters)
Zuckungen einer Körperregion, die für Stunden/Tage oder Monate anhalten; z.T. treten andere Anfallsformen hinzu; Ursache ist eine Hirnschädigung (z.B. Durchblutungsstörungen; Sauerstoffmangel bei der Geburt). Therapie: therapieresistent; in einigen Fällen Reduzierung der Anfälle durch einen chirurgischen Eingriff möglich.
Frontallappenepilepsie
(Stirnlappenepilepsie)
Parietallappenepilepsie
(Scheitellappenepilepsie)
Temporallappenepilespie
(Schläfenlappenepilepsie)
Okzipitallappenepilepsie
(Hinterlappenepilepsie)
Epilepsien mit Ursprung in den verschiedenen Lappen des Großhirns
Bild: Die verschiedenen Lappen des Großhirns
1.3. Kryptogen
Epilepsien und Epilepsiesyndrome mit lokalisationsbezogenen Anfällen, für die jedoch keine Ursache gefunden werden kann. Einteilung wie unter 1.2.

2. Generalisierte Epilepsien und Epilepsiesyndrome

2.1 Idiopathisch (mit altersgebundenem Beginn)
Gutartige (Benigne) familiäre Neugeborenenkrämpfe am 2. oder 3. Lebenstag; Anfälle hören spontan auf
Gutartige myoklonische Epilepsien des Kindesalters im Alter von 4 Monaten bis zu vier Jahren, seltene Form der Epilepsie im Kindheitsalter
Absence-Epilepsien des Kindesalters kurz andauernde Abwesentheitszustände
Juvenile Absence-Epilepsie Beginn meist in der Pubertät
Juvenile myoklonische Epilepsie (Janz-Syndrom) mit erblichen Komponenten; Krankheitsbeginn zwischen dem 11. und 20. Lebensjahr
Aufwach-Grand-mal Epilepsie Krankheitsbeginn zwischen dem 14. und 24. Lebensjahr; Anfälle meist in den ersten Stunden nach dem Aufwachen
Reflex-Epilepsien Tonisch-klonische Anfälle, die durch spezifische Reize ausgelöst werden
2.2. Symptomatisch oder kryptogen
West-Syndrom Treten fast immer im Säuglingsalter auf; Serien von kurzandauernden Anfällen
Lennox-Gastaut-Syndrom Schwere Epilepsieform des Kindes- und Jugendalters
Doose-Syndrom (Epilepsie mit myoklonischen-astatischen Anfällen) Beginn meist in den ersten 5 Lebensjahren mit astatischen Sturzanfällen (plötzlicher Verlust der Muskelspannung)
Epilepsien mit myoklonischen Absencen Epilepsie des Kindesalters; überwiegend mit Absencen und rhythmischen Zuckungen der Schulter und Arme
2.3 Symptomatisch
Epilepsien mit einer nachgewiesenen Hirnschädigung

3. Epilepsien und Epilepsiesyndrome, die nicht als lokalisationsbezogen oder als generalisiert festgelegt werden können

3.1. Mit generalisierten und fokalen Anfällen
Neugeborenenkrämpfe Begrenzt auf die ersten 4 Lebenswochen; meist liegt eine Hirnschädigung zugrunde
Myoklonische Epilepsien des Säuglingsalters  
3.2 Nicht klar zuzuordnende generalisierte oder lokalisationsbedingte Anfälle
Schlaf-Grand mal-Epilepsie Grand-mal Anfälle, die nur im Schlaf auftreten

4. Anfallsarten ohne Vorliegen einer Epilepsie

4.1 Gelegenheitskrämpfe Einzelner Anfall; Reaktion auf z.B. Narkose, ein starkes Medikament oder sie treten spontan auf; liegt keine Hirnschädigung, neurologische Störung und/oder positive Familiengeschichte vor, ist es keine Epilepsie; meist tauchen keine weiteren Anfälle auf.
4.2 Fieberkrämpfe Meist im Alter von 3 Monaten bis 5 Jahren bei einer hochfieberhaften Erkrankung (> 38 °C) ohne Infektion des zentralen Nervensystems; bei den meisten Kindern entwickelt sich keine Epilepsie.
4.3 Pseudoanfälle und psychogene Anfälle Nicht-epileptische Anfälle mit allein psychischen Ursachen; Symptome ähneln einem epileptischen Krampfanfall; meist Hinweis auf eine Abhängigkeit, auf ein Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und/oder auf eine Vermeidung von belastenden Situationen; auch bestimmte psychiatrische Erkrankungen können die Ursache sein; z.T. psychiatrische Behandlung notwendig, manche Epileptiker haben neben den epileptischen Anfällen auch psychogene Anfälle.
4.4 Eklampsie Ernstzunehmende Notfallsituation bei schwangeren Frauen; Symptome: plötzliche Blutdruckerhöhungen und Krämpfe; Einlieferung ins Krankenhaus notwendig; nach dem Ende der Schwangerschaft treten meist weder weitere Anfälle noch eine Epilepsie auf.
4.5 Einzelne Anfälle/ einzelner Status epilepticus Tritt im Laufe des Lebens nur ein einziger Krampfanfall auf, so spricht man nicht von einer Epilepsie. Auch ein einzelner Status epilepticus (Anfall der länger als 5 Minuten andauert) ist keine Epilepsie.
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